Noch mehr Gedanken… zur SPD. Und mal sehen, zu was noch.

Heute Nachmittag war einer dieser Ausschüsse mit kurzer Tagesordnung und noch kürzerer Debatte. Eigentlich sollte ich schon längst wieder im Büro sitzen, aber dort ist es laut und staubig aufgrund von Bauarbeiten, und so habe ich beschlossen, noch ein wenig in der Fraktion zu bleiben. Habe zwei Anträge formuliert… ein wenig in unübersichtlichen Exceltabellen gerechnet (Arbeit ist derzeit auch sehr fordernd). Und zwischendrin schweifen meine Gedanken immer wieder ab… auch zur SPD.

Ich spüre noch immer diese großere Unruhe und Unzufriedenheit, wie ich sie hier schon vor und nach der Landtagswahl im letzten Herbst geschildert habe… nicht mehr permanent, aber doch immer wieder. Und wenn sie da ist, dann sind diese Gedanken bohrend, stechend, und irgendwie schmerzhaft. Allein in den letzten 24 Stunden gab es schon wieder eine handvoll Anlässe, am eigenen Tun und dessen Außenwirkung grundlegend zu zweifeln. Als Sozialdemokrat*in kann man es seit geraumer Zeit niemandem recht machen, nicht mal den eigenen Genossinnen und Genossen, bzw. denen schon gar nicht. Permanent findet man sich in einer Rechtfertigungshaltung wieder. Vieles macht man (zumindest gefühlt) falsch, und das Wenige, das man halbwegs passabel hinbekommt, davon bekommt niemand etwas mit. Letztlich läuft alle Kritik immer wieder darauf hinaus, dass wir keine Vorstellung von der Zukunft Münchens hätten, unsere politische Arbeit Stückwerk sei, weder konsistent noch kohärent. Dass es uns, der Stadtratsfraktion, nicht gelinge, unser Tun zu erklären und zusammenzuführen zu einer Vision für diese Stadt. Und dass wir erst recht keinen Weg finden, mit der Kommunikation unserer Arbeit zu den Münchnerinnen und Münchnern durchzudringen. Diese Kritik halte ich oft für unverhältnismäßig hart, für undifferenziert… für wenig motivierend, für so umfassend, dass man gar nicht weiß, an welcher Stelle man eigentlich wie anfangen soll, die Dinge besser zu machen. Ich bin dann (kann mir da schwer helfen!) schnell beleidigt, halte dagegen mit allem Vernünftigen und Innovativen, was wir in den letzten Jahren beantragt und beschlossen haben. Je nach Thematik und Gegenüber, ist der Gesprächspartner dann entweder ahnungslos oder informiert, aber dennoch unzufrieden. Woraufhin ich noch agressiver werde… es ist ein Kreislauf ewiger Unzufriedenheit aller Beteligten miteinander und natürlich mit der Sozialdemokratie. Und ein sicheres Rezept, die nächste Wahl auch wieder zu verlieren.

In ruhigen Momenten kann ich die eine oder andere Kritik durchaus annehmen. Früher seien wir besser in der Stadt vernetzt gewesen, in Vereinen aktiv gewesen, „näher an den Menschen“ dran gewesen. Vermutlich stimmt das. Ich bin niemand, der Smalltalk mit mir Unbekannten beim Faschingsball sonderlich gut könnte. Deshalb geh ich gar nicht erst hin. Kulturell bin ich ebenfalls nicht sonderlich beflissen, und sportlich bin ich leider auch nicht. Meinen sozialpolitischen Interessen (Mieterverein, ASB) gehe ich in langen Vorstandssitzungen weit abseits der Öffentlichkeit nach. Natürlich spreche ich mit Menschen und verweigere mich keinem Austausch. Ich gehöre zu denen, die sich das halbe Jahr vor Wahlen an den Infostand stellen, ich beantworte E-Mails und Briefe (allermeistens!), ich versuche auch auf Empfängen, die eigene Schüchternheit zu überwinden, und auf Leute zuzugehen. Ich kann das heute bestimmt besser als vor fünf Jahren, aber so richtig liegt mir der soziale Teil des Amtes noch immer nicht. Und es gibt sicher ne ganze Reihe Leute, deren Humor auf den ersten Blick leichter zugänglich ist als meiner. Aber ich versuche immer mein Bestes. Immer.

Das sind so die Gedanken, die mir zur Zeit im Kopf rumgehen, wenn der Ausschuss zu früh endet und ich nicht ins Büro zurückkehre, weil es dort zu laut ist. Ich kann mich verlieren in Zweifeln, in agressivem Streit mit jenen, die immer nur kritisieren, es aber auch nicht wirklich besser können, in Selbstmitleid und der Frage: Warum tue ich das eigentlich alles und gibt es ein Leben jenseits des Rathauses? Und wie könnte das aussehen? Gehöre ich noch eine Weile hierher oder nicht? Und was ist es, das ich beitragen kann, damit wir 2020 nicht völlig untergehen?

Vielleicht klingt der bisherige Text deprimierender als ich die Lage tatsächlich empfinde… ich hab schon oft Lust auf dieses Amt. Es gibt nichts besseres, als wichtige Anträge (mit) zu innitiieren und ihre erfolgreiche Umsetzung zu erleben. Kommunalpolitik ist in dieser Hinsicht unglaublich befriedigend. Auch weil sie so sachorientiert ist, oft wenig ideologisch. Aber dafür so nah am richtigen Leben. Ich hab in den besseren Momenten in Vorträgen, bei Referaten und Podiumsdiskussionen das Gefühl, überzeugen, manchmal sogar mitreißen zu können. Bin gleichzeitig frustriert, in der Fraktion für ein Thema (IT) zuständig zu sein und sprechen zu müssen, für das ich viel weniger Leidenschaft empfinde und Sachkenntnis habe als für Familien- oder Seniorenpolitik. Manchmal habe ich ganze Reden in meinem Kopf zu Themen, zu denen ich aber mangels Zuständigkeit und Aufgabenverteilung nicht sprechen werde. Das ist schwer auszuhalten, gerade wenn man fest davon überzeugt ist, es besser zu können. Es wäre erwachsen, diese Frustration über das nicht befriedigte eigene Ego endlich hinter mir zu lassen, und mich besser einzuarbeiten in meine eigenen Zuständigkeiten. Immerhin ist die Digitalisierung (ein Wort, das irgendwie so benutzt ist und schlimmer klingt als jede Phrase) eines der großen Zukunftsthemen. Bei dem wir zudem hinten dran hängen. Ich könnte und müsste da mehr tun, aber dazu bräuchte es zuerst die Bereitschaft, den eigenen Horizont zu erweitern, mich ein Stück zu lösen vom ursprünglichen Motiv, in den Stadtrat zu gehen: der Sozialpolitik. Ein wenig ist es so als würde man sich als Geisteswissenschaftlerin im vorletzten Semester doch noch für Informatik entscheiden und nochmal ganz von vorne beginnen müssen. Auch zu können… aber da bin ich noch nicht.

Okay und was hat das jetzt alles mit der SPD zu tun? Ich denk schon, dass viele von uns ähnliche Gedanken bewegen wie mich. Dass vermutlich niemand immer glücklich ist, mit dem, was er oder sie tut und tun muss, und die Herausforderungen der Zukunft sich so hoch auftürmen, dass der Gedanke des Scheiterns immer mitschwingt. Wenn es zudem in Wahlen nicht läuft, die Partei im Bund keine Vorstellung hat, wie es weitergehen soll, gibt es auch nichs, was einen mitreißt und von draußen aus dem Sumpf zieht. Insofern wird uns nichts anderes übrig bleiben, als die Stärke aus uns selbst heraus zu entwickeln. Ich für mich. Jeder für sich. Wir für uns. Denn eigentlich sind wir ja gar nicht schlecht (wirklich!!). Ganz ehrlich, allein schon die Statistik macht es unwahrscheinlich, dass bei den Grünen nur Granaten und bei uns nur Deppen sind.

Mir ist bewusst, dass gute, verantwortungsvolle Politik allein nicht genügt. Eine überzeugende Geschichte zu erzählen, die Idee von einem München zu entwickeln, das auch in Zukunft und nur mit uns dieser wunderbare, weltoffene Ort zum Leben bleibt, auch für jene, die erziehen, pflegen, U-Bahnen fahren oder den Plastemüll aus den Biotonnen sortieren, wird unsere Aufgabe sein. Es wird nämlich verdammt ungemütlich, wenn die alle wegziehen müssen, weil wir einknicken vor jenen, die nur an ihren individuellen Blick auf die Welt denken, am besten mit freier Sicht auf die Alpen und 500 Quadratmetern eigenem Grund. Gleichzeitig müssen wir offener sein für Kritik, für die Angst vieler, verdrängt zu werden, für die Schattenseiten des Wachstums. Erstmal zuhören, den Impuls, sofort alles rechtzufertigen, unterdrücken. Dennoch selbstbewusst sagen, dass wir die Probleme kennen, und sie lösen werden, nicht alle sofort, aber doch so gut und so schnell es irgend geht. Nach Abwägung aller miteinander kämpfenden Gedanken und Emotionen in meinem Kopf und in meinem Herzen habe ich darauf noch immer Lust, vielleicht noch mehr, als je zuvor. Mit einem realistischeren Blick auf mich selbst, die Politik und wie sie funktionert (und wie nicht), und dem Willen, an den eigenen Defiziten zu arbeiten, bin ich überzeugt, dass ich noch was beizutragen haben. Dass wir zusammen als Partei und Fraktion etwas beizutragen haben zur Zukunft dieser Stadt.

Am Ende war das doch eher wieder ein Text über mich als einer über die SPD. Ich verspreche, dass es das jetzt erstmal war mit Einblicken in mein Seelenleben. Irgendwann müssen der Reflexion konkrete politische Ideen und das Handeln folgen. Das nehme ich mir vor… und halte Euch auf dem Laufenden. PS: Und jetzt Vorstandssitzung beim ASB. 😉




Ein Blick zurück und einer nach vorn…

Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr verlangt praktisch, dass man ein wenig reflektiert. Über das, was war. Und über das, was sein wird. Wobei man Letzteres ja nicht weiß, sondern bestenfalls nur erahnen kann.

Allerdings kann ich mit einem allumfassenden Jahresrückblick nicht dienen. Dazu fehlen mir gerade Zeit und Muße. Wenn ich ehrlich bin, fehlt mir auch die Lust, mich mit einem zu offenen Beitrag erneut in die Nesseln zu setzen. Insofern jetzt nur stichpunktartig ein Blick auf das, was war, seit mich erneut die Freude am Bloggen verlassen hat:


Im November die Initiative „Surfen für Alle“, für die ich soviele Zuschriften von Seniorinnen und Senioren bekommen habe, wie zuletzt für den Tod des Pinguins.

Hier alle Anträge der Antragsinitiative:

Neben Zustimmung haben mich durchaus auch skeptische Reaktionen erreicht. Und ja, vielleicht kann das Ziel nicht sein, dass künftig auch alle über 80 online ihre Bankgeschäfte abwickeln, aber bei denen, die es wollen, sollen technische oder finanzielle Barrieren minimiert werden oder ganz wegfallen. Es ist mir bewusst, dass das alles gar nicht so einfach wird und ich setze auf gute Ideen der Stadtverwaltung bei der Umsetzung unserer Initiative,


Die Grünen schicken mit Katrin Habenschaden eine sehr kluge und sympathische Frau in die OB-Wahl 2020. Die persönliche Sympathie für Katrin und der Respekt vor ihrer politischen Leistung seit 2014 ändern aber nichts daran: 2020 gewinnt unser OB.
„Surfen für Alle“ zeigt unerwartet früh erste Erfolge: Unser ehemaliger Fraktionsvorsitzender Helmut Schmid twittert jetzt als @StadtratSchmid.
Am ersten Adventswochenende ein Ausflug in meine alte Heimat Dresden mit Emma und meinen Eltern. Fazit: München ist jetzt Heimat und das ist auch gut so.
Am 5. Dezember Festakt zu 125 Jahren SPD im Münchner Rathaus. So richtig der Knaller war es jetzt nicht, aber um so mehr gilt jetzt: Bei 150 Jahren werden wir es krachen lassen. Dann auch mit einem lustigen Kabarettisten. 😉
Schneeflocken gab es dieses Jahr schon einige. Wenn ich früh am Marienplatz ankomme und den ersten Kaffee trinke, ist das immer ein Moment des Innehaltens und auch der Dankbarkeit, in dieser wunderschönen Stadt dieses Amt im Rathaus ausüben zu dürfen.
Mit Christian Vorländer in der letzten Vollversammlung des Jahres. Und ja, irgendwie bin ich dann immer froh, wenn es vorbei ist, und zumindest für ein paar Tage politische Ruhe einzieht.
Weihnachten haben wir bei meinen Eltern verbracht. Schön war es. Heute sitze ich schon wieder am Schreibtisch und bin fleißiger, als ich es eigentlich sein will. Aber ich muss. Neben der Politik gibt es nämlich auch noch einen Job, dem ich von Zeit zu Zeit gerecht werden sollte.

2018 war politisch in meiner eigenen kleinen Welt ein gutes: Wir haben wegweisende Beschlüsse zur Kitagebührenfreiheit und zur Teilhabe von Seniorinnen und Senioren mit geringen Renten gefasst. Das Auto hat auch in München seine besten Zeiten hinter sich und Politik macht mir noch immer – von einigen selbstverschuldeten Fehltritten abgesehen – Spaß. Es ist einfach toll, in der Stadt, die man liebt, Dinge zu tun, die das Leben vieler Menschen positiv beeinflussen. Natürlich gibt es noch viel zu tun. Gerade die Schwächen bei S-Bahn (leider nicht zuständig) und U-Bahn (leider zuständig) ärgern zurecht viele Münchnerinnen und Münchner. Es wäre schön, wenn es dafür leichte und schnelle Lösungen gäbe…. Dennoch geht es in diesen Punkten in die richtige Richtung, auch wenn es bis zur Umsetzung noch dauert. Und wir bis dahin den Frust des Volkes aushalten müssen.

Die Gedanken an das kommende Jahr beinhalten von Zuversicht bis Skepsis alles. Politisch müssen wir einen Weg finden, den Münchnerinnen und Münchnern glaubhaft zu vermitteln, dass die SPD einen großen Anteil daran hat, dass diese Stadt – bei allem, was besser oder anders werden muss – ein Ort ist, an dem die meisten von uns gerne und glücklich leben. Damit das so bleibt, muss es eine Stadt für Alle bleiben. Dafür werden wir auch 2019 die nötigen Beschlüsse fassen. Und gleichzeitig darauf hoffen müssen, dass auch im Bund und Land Gesetze verabschiedet werden, die gerade bei den Themen Wohnen und Mieterschutz endlich was verändern. Eine bezahlbare, ausreichend große Wohnung muss Standard und nicht Luxus sein. Damit steht und fällt jeder glaubhafte sozialdemokratische Wahlkampf der kommenden Jahre.

Ansonsten wünsche ich mir, dass die Menschen, die mir etwas bedeuten, gesund bleiben. Für meine Tochter wünsche ich mir, dass sich der Stress in der Schule in Grenzen hält, dass sie noch eine ganze Weile ein Kind bleiben darf. Eine gerade Neunjährige muss nicht alles wissen, noch nicht alles verstehen. Das kommt noch früh genug. Zumal Kinder ganz oft einen menschlicheren und gerechteren Blick auf die Welt haben als Erwachsene, die sie zwar besser kennen, aber deren Augen getrübt sind von negativen Erfahrungen und all dem Leid und Ärger, die einem irgendwann fast zwangsläufig begegnen. Ich bin jedenfalls froh und dankbar, dass sie so behütet und von ihren Eltern und Großeltern geliebt aufwächst. Und gerne mit ihren Puppen und Playmobil spielt. 😀

Für das Rathaus hoffe ich, dass bei allen persönlichen und politischen Rivalitäten ein Mindestmaß an Fairness und Anstand auch im beginnenden Vorwahlkampf erhalten blebt. Ich hab jedenfalls fest vor, mich halbwegs anständig zu verhalten, über unsere liebe SPD nicht zu viel zu schimpfen, die zynischen Beiträge nicht überborden zu lassen und noch die eine oder andere gute Idee einzubringen. Bis dahin wünsche ich euch einen guten Rutsch ins Jahr 2019. Nicht zu viel ballern an Silvester. Wenn wir alle Maß halten, müssen wir’s nicht irgendwann verbieten. Gilt übrigens für alle kleinen und großen Sünden des Lebens. 🙂