23 + 1 für München. (-2 verarbeitet)

Mit etwas Abstand finde ich jetzt die Zeit, um die Ereignisse der vergangenen 8 Tage einzuordnen. In der ersten Emotion wäre das sicher schief gegangen. Und außerdem war einfach keine Zeit zwischen Fraktion, Partei, einer hartnäckigen Erkältung und einem sowieso böse vernachlässigten Büro. Deshalb erst jetzt.

Am Montag letzter Woche saßen mein Kollege Christian Vorländer und ich vor Beginn der Vorstandssitzung zusammen gemütlich in einem kleinen Café am Marienplatz auf einen schnellen Cappuccino und ein geteiltes Croissant (beides übrigens rund ums Rathaus nirgendwo besser als bei Vee’s Kaffee und Bohne). Bis uns die WhatsApp eines krank im Bett liegenden Rathausreporters – der an dieser Stelle anonym bleiben soll – erreichte, in der dieser uns fragte „Reissl zur CSU?“. Wir schauten uns bissi blöd an und dachten, dass der Reporter spinnt. Vielleicht im Fieberdelirium. 😅 Es dauerte dann keine 10 Minuten bis klar war, dass das alles kein wildes Gerücht, sondern die Wahrheit war. So unfassbar, dass Christian und ich beide weiche Knie hatten. Wir trotteten dann etwas benommen ins Rathaus rüber und schauten zusammen mit den anderen diese seltsame Pressekonferenz der CSU mit Alexander zwischen Herrn Pretzl und Frau Frank. Unser ehemaliger Fraktionsvorsitzender sah nicht so aus, als würde er sich wohl fühlen. Die Frage, die sich jeder von uns stellte: Was ist passiert, damit jemand wie er sich entschließt, SO zu gehen.


Mich hat mit Alexander politisch eines immer verbunden: der Wunsch, das, was man verspricht, dann auch umsetzen zu können. Weil Kommunalpolitik immer auch machbar sein muss. Nur in dem, was wir für machbar (und wünschenswert) hielten, da gab es häufig unterschiedliche Ansichten. Und trotzdem: Ich hab Alexander sehr geschätzt für seine Prägnanz, seinen Fleiß, seine Strukturiertheit und seine Geradlinigkeit. Und eigentlich auch für den Anstand, selbst nach Niederlagen für Einheit zu sorgen, die Fraktion zusammenzuhalten, für eine unbedingte Treue zu den Grundwerten der Sozialdemokratie. Zumindest den letzten Satz muss ich wohl so aus meinem Selbstverständnis streichen. Es hat mehrere Tage gedauert, das zu verkraften. Ihn heute zu sehen zwischen Quaas und Zöller… fühlt sich einfach falsch an. Ich frag mich, ob er von seinem Schritt noch überzeugt ist. Ob das wirklich so sein musste. Und dann sag ich mir, das geht uns nichts mehr an. Jeder muss mit sich selbst und dem, was er tut, leben und zurechtkommen.

Genau wie andere habe ich im Verlauf des letzten Jahres daran gezweifelt, dass Alexander Reissl noch unser Fraktionschef sein kann. Wenn jemand so unzufrieden mit vielen wesentlichen Entscheidungen der Fraktion ist, wie kann er dann mit Kraft, Überzeugung und Leidenschaft unsere Politik begründen und vermitteln? Dass das nicht mehr funktioniert hat, war offensichtlich. Und auch tragisch… denn wenn er es gekonnt hätte, dann hätte er es besser gekonnt als jeder von uns. Zur Wahrheit gehört eben auch: Uns hat lange der Mut (und die Mehrheit) gefehlt, um zu erkennen, dass ein neuer sozial-ökologischer Kurs auch eine neue Führung braucht.

Die haben wir jetzt mit Verena Dietl und Christian Müller. Beide ergänzen sich als Team mit unterschiedlichen Stärken wunderbar. Christian Vorländer und ich werden als Stellvertreter für Humor und gute Laune sorgen und es ist sicher nicht übertrieben, zu sagen, dass die ganze Fraktion neue Energie, neue Lust an Politik, und ganz viel Kraft für die verbleibenden sechs Monate bis zur Wahl geschöpft hat. Wenn zwei nicht mehr wollen, dann werden 23 von uns um so härter dafür kämpfen, dass wir nach dem 15.03.2020 gemeinsam mit unserem Oberbürgermeister Dieter Reiter noch immer mitreden bei der Gestaltung dieser Stadt. Weil uns München so wichtig ist und weil wir davon überzeugt sind, dass wir in den vergangenen Jahrzehnten vieles richtig gemacht haben. Ja, es braucht neue Ideen für eine neue Zeit. Soziales und Ökologie, Wachstum und Lebensqualität, Stadt und Grün… all das gilt es, in Einklang zu bringen. Wir brauchen mehr Raum für Menschen und weniger für Blechlawinen. Aber all das geht nur zusammen mit den hier lebenden Münchnerinnen und Münchnern.

Unsere Vorstellungen werden wir am 19.10. auf unserem Programmparteitag in allen Facetten skizzieren. Ich habe am Programm an vielen Stellen mitgearbeitet… und erlebt, dass sich so viele engagiert mit ihren Politikfeldern eingebracht haben. Wir sind keine sterbende Partei. Wir haben verstanden, was wir ändern müssen. Wir wissen aber auch, was wir gut können. Dass wir auch in dieser Amtszeit insbesondere in der Sozial-, Familien- und Wohnungspolitik die treibende Kraft im Stadtrat sind. Vielleicht sind wir gerade etwas wackelig auf den Beinen, getroffen von vielen verlorenen Wahlen auf anderen politischen Ebenen. Aber wir wissen, dass wir München gut tun. Davon wollen wir die ganze Stadt überzeugen. Falls ihr Lust habt, mit uns zu diskutieren, meldet euch bei uns oder bei mir. Wir kommen überall hin. Ins nördlichste Hasenbergl, aber auch in eure Lieblingskneipe. Wir werden uns kümmern um jedes einzelne Anliegen, mit dem ihr uns beauftragt. Weil ihr uns wichtig seid. Weil uns diese Stadt alles bedeutet. #münchenliebe

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