LiMux – nur eine kurze Notiz an die Linux-Gemeinde

Re: https://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Muenchner-IT-Leiter-zu-LiMux-Es-gibt-keine-groesseren-technischen-Probleme/forum-375713/

Es ist ziemlich einfach, sich hinter einem Pseudonym im Internet zu verstecken und Menschen, die man nie persönlich getroffen hat, als korrupt, inkompetent und sonst irgendwie blöd zu bezeichnen.

Schwieriger ist es, pragmatische Entscheidungen und die Gesichtspunkte, die zu dieser geführt haben, zu begründen und zu vertreten. Ich habe mich diesem Prozess gestellt. Und nein, ich bin keine „IT-Fachfrau“, habe mich auch nie als solche bezeichnet. Ich bin ehrenamtliche Kommunalpolitikerin, nehme diesen Job allerdings durchaus ernst und versuche, die bestmöglichen Entscheidungen zu treffen.

Ja – zu unserer Entscheidung sind unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen möglich. Wenn man jedoch Menschen auf einer persönlichen Ebene unfair attackieren muss, spricht das nicht unbedingt für die Qualität der eigenen Argumente.

Im Übrigen bin ich gerne bereit, mit jedem, der Interesse an einem fachlichen Austausch jenseits von Beleidungen hat, auf einen Kaffee zu gehen oder Mails auszutauschen. Hab das auch schon mit einigen von euch getan, fand es bereichernd und für anstehende weitere Entscheidungen produktiv.

Insofern nehme ich den kleinen – verspäteten – Aufruhr jetzt mal nicht persönlich und setze auch weiterhin auf eine faire, sachliche Diskussion.

27 Gedanken zu „LiMux – nur eine kurze Notiz an die Linux-Gemeinde

  1. Klischeepunk

    Ich greife nochmal das bei Heise geschriebene auf und gehe auf den Post ein.
    1. Danke für die Verifikation.
    2. Wie von Kommentatoren angemerkt: Nein es ist nicht schwer, pragmatische Entscheidungen zu begründen und zu vertreten, weil sie eine Faktenbasis erfordern. Eine bei der sie – indirekt – zugegeben haben sie nicht zu haben. (Wie auch das BR Interview zeigt, da ist sehr viel von Glaube, Liebe, Hoffnung die Rede, aber null Verständnis dafür, was eigentlich ein Betriebssystem ist, wo seine Aufgaben liegen, wieso ein Betriebssystem in Fall A relevant sein kann und in Fall B nicht.) – Übrigens Betriebssysteme gehören zu jedem Informatikstudium oder Informatikausbildung 1. oder 2. Semester bzw. erstes Lehrjahr. Mit anderen Worten, für ein paar Euro kann man sich mal einen grundlegenden überblick verschaffen was diese Blackbox „OS“ eigentlich tut und wofür sie zuständig ist.
    Für einmal googlen erfährt man auch, wie die Zusammenhänge zwischen Android und Linux sind. Was ein Chromebook ist, welche Relevanz das OS für Webapplikationen oder Schnittstellenprotkolle hat und ähnliches. du liegst auf rein fachlicher Ebene mit bisher jedem „Argument“ beachtlich falsch.
    3. Die ominöse Fachanwendung (st sie eigentlich eine Fachanwendung? Ist sie eine Anwendung in einer Anwendung? etc etc.) die auf Windows XP und 2000 Systemen läuft dürfte technisch den gleichen Aufwand nach sich ziehen auf Windows 7 oder neuer umgezogen zu werden, wie auch auf Linux – kurz: Neuimplementierung oder Protierung. Für gewöhnlich sind derartige Systeme an vielen Stellen nicht mehr im Einsatz um Lizenzkosten zu sparen oder ähnliches, sondern weil sie auf neuen Systemen nicht lauffähig sind.
    4. Der Weg zu Webapplikationen usw. schafft Systemunabhängigkeit. Hier ist das OS einfach Banane. Im besonderen: Der normale Server läuft eh auf nem Unixoiden (hier ist Linux nämlich keineswegs Spartenprodukt wie im Endanwendermarkt, sondern eher Marktführer).
    5. „Warum wird Linux nicht vom Endanwender eingesetzt“ ist Polemik und bedarf keines weiteren Kommentares. Der Endanwender setzt auch keine MS Domäne oder Sharepoint ein. Der Setzt ein was immer er zuhause zusammengeklickt kriegt oder was ihm das Unternehmen/die Organisation zur Nutzung vor die Nase knallt.
    6. Wenn ich mir die letzten Berichte zum Microsoft Haus und Hof Berater Accenture anschaue: Wenn die Rechner nicht in der Lage sind ein W10 laufen zu lassen und HW Modernisierung ansteht vor OS Modernisierung hab ich eine sehr deutliche Vorstellung von den Nutzerproblemen.
    7. Der Umstiegt von Linux -> Windows, oder auch nur von Win 2000 -> Win 10 dürfte lustig werden unter den genannten Voraussetzungen, da bleibt mir wirklich nicht viel mehr als mich mit Popcorn in der Hand zurückzulehnen und die Show zu genießen.

    Was mich am meisten fasziniert, ist, dass du dir zutraust ein fachliches Urteil abzugeben, ohne mit diesem Fach in Berührung gekommen zu sein.
    Um mich zu wiederholen: Ich frage mich wofür Systemhäuser und Softwareschmieden ihr Personal über lange Jahre ausbilden und heranzüchten, wenn es so einfach ist. Und ohne es böse zu meinen: Du versagst schon bei den OS Basics, ernsthaft: Lies nach und dann diskutieren wir weiter.

    Antworten
  2. Lilcreep

    Fair und sachlich…
    Ich verfolge das Thema schon eine ganze Weile.
    Zum einen war bisher kein Kritikpunkt an LiMux dabei, der wirklich tragbar war. Es war frühzeitig erkennbar, dass die Probleme in der IT liegen und nicht in der Software-Basis.

    Das haben mehrere Gutachten bestätigt und davon abgeraten, zu proprietären Produkten zurück zu gehen. Die Entscheidung für den LiMux-Ausstieg wurde also entgegen der Fachmeinung gefällt.

    Hinzu kommt, dass spätestens seit Snowden klar sein sollte, dass proprietäre Software und Cloud-Services aus den USA, nicht mehr vertrauenswürdig sind.
    Da hier mit Bürgerdaten und wichtigen, teils vertraulichen Daten der regionalen Regierung gearbeitet wird, ist die Rückkehr zu Microsoft eine Ohrfeige für das Datenschutz-Recht der Münchener Bürger. Im Überwachungszeitalter gibt es keine statthafte Alternative mehr, zu freier Software.

    Statt Deutschland als Standort der IT-Branche Technologie zu fördern, wird wieder ein Multi aus dem Ausland gefüttert. Neben dem Datenschutz-Aspekt, ist Wirtschaftsförderung im Inland ein weiterer Punkt, der unbedingt für freie Software spricht.

    Es wurde also gegen die Expertenmeinung, gegen die Interessen und grundlegenden Rechte der Bürger und gegen langfristige, wirtschaftliche Interessen getroffen und damit gegen jede Vernunft.

    Gleichzeitig zieht die Microsoft-Zentrale Deutschland, nach München, wo sie ein bedeutender Steuerzahler sein dürfte.

    Was soll der aufmerksame Bürger da denken?
    Korruption ist nicht unbedingt ein Akt der persönlichen Bereicherung. Manchmal ist sie einfach völlig falsch gedachtes Handeln, im vermeintlichen Sinne der Bürger und falsch gesetzte Prioritäten.

    Antworten
  3. Sinus

    Ihr Leben in Kurzform

    geboren 1978 in Finsterwalde (Brandenburg)
    1997 Abitur in Dresden, Studium der Kommunikationswissenschaft an der TU Dresden
    2001 Umzug nach München, Studium in Hof von 2001-2004 , Dipl.-Verwaltungswirtin (FH)
    2004-2007 Landeshauptstadt München, Wohnungsamt: Controlling, Finanzen, Wohnen in München
    2007-2013 Landeshauptstadt München, Sozialamt: Armutsberichterstattung, Steuerungsunterstützung für die Amtsleiterin
    seit 07/2013 Fachreferentin Altenpflege bei der Arbeiterwohlfahrt München

    Leider sehe ich hier nicht das geringste was Sie für Entscheidungen in der IT qualifizieren könnte. Das ist aber schon Jahrzehnte so das Fachfremde Politiker der sogenannten Basis erklären wollen was diese viel besser wissen. Machen Sie sich nichts daraus damit sind Ihre Kollegen schon Jahrzehnte mit auf Tournee, ich hoffe nur dass das endlich mal ein Ende nimmt. Den jedes Ende ist auch ein Anfang!

    Antworten
    1. Anne Beitragsautor

      Danke, ich kannte meinen Lebenslauf. Ne gute Sache wäre, wenn Leute, die es besser könnten, für den Stadtrat kandidieren würden. Nur meckern bringt halt nix. Selber antreten und es besser machen. 🙂

      Antworten
      1. Sinus

        Ich habe nicht behauptet das Sie ihren Lebenslauf nicht kennen würde.
        Warum sollten es ausgerechnet die es besser wissen den Umweg über das Hamsterrad Politik gehen? Und wenn Sie meinen Beitrag schon als meckern bezeichnen unterstreicht das auch wieder mal die Bürgernähe die es schon lange nicht mehr gibt. Aber ab hier wird es politisch und das führt ja bekanntlich zu nichts.

        Antworten
      2. Klischeepunk

        Wir meckern nicht nur.
        Nur meckern wäre das was du kritisiert hast (zurecht): „Die Anne ist kacke, wir finden die doof und ihre Ohren mag ich auch nicht“.

        Wir sagen dir, dass du falsch liegst (Einschätzung, kein Gemecker) .
        Wir sagen dir an welchen stellen du falsch liegst (Um dir zu ermöglichen dich mit Fakten auf die du selbst pochst auseinanderzusetzen).
        Wir sagen dir, wo du nicht verstanden hast wie die Dinge funktionieren über die du redest (Um dir zu ermöglichen dich mit diesen DIngen zu beschäftigen).
        Wir erklären unsere Zweifel (Um dir zu ermöglichen die Kritik unsererseits zu entkräften).

        Dass du Spott für ein Interview erntest, das an Peinlichkeit (im technischen Teil) nicht zu überbieten ist, liegt daran, dass du offensichtlich über Dinge gesprochen hast von denen du „glaubst“ und nicht „weisst“.

        Du hast dich öffentlich geäußert, dann musst du wohl damit leben, dass du öffentlich dafür angegangen wirst. Ob das immer die richtige Form hat („Quotentussi“) sei dahingestellt. Dass die Angriffe durch den Inhalt berechtigt sind dürfte aber in der Form stehen.

        Du bietest den austausch per E-Mail an, in der öffentlichen Diskussion spielst du aber das schmollende Kind, dem man das Sandförmchen weggenommen hat.

        Für eins davon wirst du dich schon entscheiden müssen. Und wenn du dich der Fachwelt stellst wirst du halt auch fachlich fundiert argumentieren müssen, nicht auf Basis von „Glaube“ oder deiner Einschätzung der „Nerd/Linux“ Szene (die auch völlig daneben war, aber hey).

        Wie du übrigens meiner E-Mail entnehmen kannst werde ich eher nicht für München kandidieren, ABER weiterhin erklären warum das OS beim ausrollen von Browsern kackegal ist 😉 Willkommen im Internet.

        Antworten
      3. Mathias

        Hallo Frau Hübner,

        interessanterweise antworten Sie auf diesen Beitrag, auf die 2 vorangegangen älteren Beiträge jedoch nicht.
        Ein Schelm wer denkt, dass Sie diese u.U. nicht entkräften können.

        Bzgl. meckern und selber machen: Der Hauptkritikpunkt ist meiner Meinung nach nicht, dass im Stadtrat nicht die geballte IT-Kompetenz sitzt, sondern dass der Stadtrat:
        – anscheinend nicht mal in der eigenen IT Abteilung nach deren FACH-Meinung gefragt hat
        – über die Maßnahmen des Gutachtens sogar noch hinaus gehen

        Man fühlt sich hier an den BER erinnert: wer braucht einen Generalunternehmer, wir können das selbst, sind ja alles Experten hier.

        Bzgl. Stadtratskandidatur: das sagt sich jetzt so einfach. Ich glaube aber nicht, dass z.B. ich als nicht SPD Mitglied einfach so mit Kusshand auf die SPD Liste gesetzt werden würde. Solange man nicht die Ochsentour durch die Partei durchgemacht und den Stallgeruch hat, wird man bei den großen Parteien nun mal nicht auf die Liste gelassen.
        Sollte dies anders sein, könne wir gerne im Oberanger über meine Kandidatur auf der SPD Liste diskutieren 🙂

        MfG
        Mathias

        Antworten
      4. bit-popler

        Damit existiert endlich eine Bestätigung, dass Sie sich tatsächlich auf Heise getummelt haben. 🙂

        Leider ist jedoch eine Stadtratskandidatur immer an irgendwelche Parteien geknüpft, ich habe in den vergangenen 35 Jahren nicht gesehen, dass Aussenseiter die *nicht* bereits in einem politischen Zirkel eingebunden waren irgendwo etwas zu sagen gehabt hätten.

        Was die Entscheidung des Stadtrats betrifft, so deckt sich die wirklich nicht mit dem Gutachten von Accenture, denn aus dem Gutachten geht deutlich hervor, dass die Mängel in der Organisation und der Kommunikation der verschiedenen Bereiche liegen. Dass zum Beispiel auch eine it@M keine Möglichkeit hat einem lokalen IT-Fürstentum sein Herrschaftsgebiet einzugrenzen und man sieht, dass nicht einmal einfache Sicherheitsmaßnahmen wie Sperrlisten am Internetzugang gegen Dropbox,… oder 802.1x als Restriktion gegen privates Equipment im LAN eingeführt wurden. Dies wird bei einem Wechsel auf ein anderes Betriebssystem auch nicht anders werden, da das organisatorische Mängel sind.

        Ansonsten liest sich das Gutachten in den ersten 15 Seiten wie meine Unterlagen zum ITILv2 Expert.

        Es gibt allerdings im Gutachten so einige Punkt die stutzig machen, die CMDB vom Hersteller Valuenation, das Incident managenent assyst, aber mit erhelblichen Eigenanpassungen.

        Ein Monitoring scheint überhaupt nicht zu existieren, sonst könnten keine 1000 Tickets/Monat eingehen, bei denen man (it@M) selbst herausfinden müssen, welcher Dienst eigentlich gestört ist. Ob nun Internet, Proxy, Email, Drucker, LAN, Server, Datenbank, Switche, … alles läßt sich auf Funktion überwachen und mit Abhängigkeiten versehen. So etwas besonderes ist die IT der LHM auch nicht, wenn man es mit Konzernen wie BMW, MAN, Mittelständlern mit Arbeitsplätzen im 4-stelligen Bereich oder Banken wie z.B. der BayernLB und damit dann der IZB und dem SIZ vergleicht.

        Und im Abschluss des (öffentlichen) Accenture Gutachtens sieht man dann noch genauer, wo die Probleme liegen, okay, es arbeiten 4.163 Windows-PCs. davon sind jedoch fast ein Viertel Windows 2000, Windows XP und Windows Vista, während die anderen auf einem moderneren Stand (Windows 7) angekommen sind. Wie gedenkt die Stadt München diese erstgenannten knapp 1.000 Alt-Windows PCs durch Windows 10 zu ersetzen, wenn dort doch dummerweise die Fachverfahren laufen die eine alte Windows-Versione, 16-Bit-Anwendungen, alte Office-Versionen etc. voraussetzen? Wenn wir ehrlich sind, werden diese Systeme auch die nächsten x Jahre nicht ersetzt, aber man kann dann sagen wir sind „homogen“, wir haben nur Windows-Clients im Einsatz. Dass ein Windows 10 sich von einem Windows 2000 unterscheidet wie Hummer von einem VW-Käfer, das zählt dann vermutlich nur wenig, sind doch alles Fahrzeuge…

        Wenn die dIKAs auch bei Windows 10 nach wie vor den „Standard-Client“ an die lokalen Bedürfnisse anpassen und eigenständig ausrollen wollen, dann werden auch bei einem Windows 10 diverse Unterversionen vorhanden sein die nicht ganz zu einander kompatibel sind. Und nur weil „Windows 10“ drauf steht, heißt das dann noch lange nicht, dass alles identisch ist, das wäre wie wenn man beim aktuellen Wildwuchs sagt „das ist doch alles Limux“.

        Ja, auch ich arbeite nicht zu den Tarifen des TVÖD, trotz Dipl. Informatik an der TUM, aber das was für Externe hin geblättert wird mit 1500 € Tagessatz und das bei lang laufenden Aufträgen, da bin ich bei „normalen“ IT-Aufgaben noch gut drunter 😉

        Antworten
      5. Hubert P.

        Nicht alle versuchen aus Richtung der Politik etwas besser zu machen. Die IT der Stadt lebt von der Innovation von unten, von den paar fähigen Angestellten und Beamten. Und die rennen gegen eine Mauer des Managements wenn Sie etwas ändern wollen.
        Ich vermute Sie als Stadtrat haben nie so richtig erfahren was mit den bewilligten Geldern passiert ist? Das die Probleme nicht technischer sondern organisatorischer Natur sind?

        Disclaimer: 5 Jahre Projektarbeit bei it@M in etlichen Bereichen. Daher weiß ich wie dort der Hase (nicht) läuft.

        Antworten
  4. Helmut

    Zunächst einmal danke, dass sie sich überhaupt dazu äußern und öffentlich Stellung beziehen. Nur leider muss ich hier auch attestieren, dass es nicht gut um ihr fachliches Wissen bestellt ist, was ebenso auch auf die Amtskollegen zutrifft. So kann man keine Entscheidungen treffen. Wenn man all die Informationen hinsichtlich der IT, inkl. dem schlichtweg gigantischen Zoo an Betriebssystemen einmal genauer beleuchtet, dann wird schnell klar worin wirklich die Probleme liegen. Grundsätzlich muss sich stets alles weiterentwickeln, alleine schon das hier derart viele unterschiedliche Windows-Versionen werkeln, und das nur wegen irgendwelcher Software und alter Verfahren die man auf Biegen und Brechen nicht ausmustern will, dass kann nur in einer Katastrophe enden. Und diese Probleme sind weitaus dramatischer, als Limux je hätte sein können. Die Probleme sind sprichwörtlich hausgemacht, und bestanden schon lange vor Linux. Und wenn hier schon seitens Windows ein Chaos herrscht, wie gedenkt man hier Linux sinnvoll integrieren zu können? Normalerweise gehört der ganze Wust aus Windows-Versionen entsorgt, so hart das klingen mag, aber aus meiner Sicht sehe ich keine andere sinnvolle Lösung. Diese Fragmentierung bezüglich Windows ist pures Gift für ein Weiterkommen. Hier bestehen zu viele uralte Strukturen, für die laufend Lösungen gefunden werden müssen, die man ohne diese erst gar nicht hätte. Und Windows 10 wird effektiv lustig werden, und nicht nur im Bezug auf den Datenschutz. Denn dann können sie nahezu alles an Hardware unmittelbar austauschen, weil dieses Betriebssystem dies in nicht unerheblicher Anzahl nicht länger unterstützen wird. Ein Sprung von Windows 2000 oder noch älter auf Windows 10, wird gewaltige Probleme bereiten, die sich samt neuer Hardware, Software, Schulungen, Inkompatibilitäten und Neuentwicklungen in extremen Kosten niederschlagen werden. Von den weit über 600 Millionen Schädlingsfamilien ganz abgesehen, die für einen erheblichen Supportaufwand sorgen. Zwar mag Windows am weitesten verbreitet sein, aber die Sicherheit der Architektur stand schon immer auf sehr wackligen Füssen. Von der Qualität der Updates ganz zu schweigen, gemessen am Preis. Auch Windows 10 ändert daran nichts. Die Probleme werden nicht abnehmen, und sie können das nicht mal ansatzweise erahnen was hier bevor steht. Wirklich nicht. Und wie gesagt, hierbei geht es noch kein Stück um Linux. Aber Linux soll der Sündenbock für alles sein? Ziemlich dünn aus meiner Sicht. Es muss definitiv ein Umdenken stattfinden, sich von alteingesessenen Strukturen zu verabschieden, und zwar radikal ohne wenn und aber. Diese ganzen Frickellösungen um alles herum, nur damit das was man hat noch etwas länger lebt, wird auf Dauer der Untergang sein. Und wenn man etwas verändern will, muss man auch konsequent sein, auch wenn das bedeutet, dass der eingeschlagene Weg steinig werden kann. Anders ist die Marktmacht von Microsoft nicht zu brechen, wenn man stets dabei bleibt und quasi hilflos kapituliert, anstatt zu hinterfragen wohin das führt. Letztlich nur in eine ewige Abhängigkeit und Kostenspirale, bei fraglichem Nutzen im Verhältnis. Und was noch schlimmer wiegt ist die Tatsache, dass man in der Weiterentwicklung stagniert, und Microsoft hier den Ton angibt was man zu sein hat, und wie man etwas umzusetzen hat. Das steht schon massiv einer freien Entfaltung im Wege, für sich Lösungen zu schaffen, die einem mehr entgegen kommen als eine extern definierte Basis. Hierfür hätte Linux ein Ausweg sein können, und laut der IT funktioniert das doch sehr gut, warum also wieder verändern? Alles über den Haufen werfen was über Jahre aufgebaut wurde? Das wäre ein Armutszeugnis so zu verfahren, anstatt gemeinsam zu arbeiten, und die wirklichen Probleme abseits dessen anzugehen. Hier wird es sich bislang viel zu einfach gemacht, im Bezug auf die Schuldfrage. Die Kommunikation muss sich eindeutig verbessern, und ebenso muss Wissen aufgebaut werden, um in der Lage zu sein derart schwerwiegende Entscheidungen treffen zu können. Einfach mal gemeinsam darüber nachdenken.

    Antworten
  5. Helmut

    Eine Sache hätte ich fast vergessen. Ihre Aussage hinsichtlich der Linux-Nutzung war sehr bedenklich. Ich selbst arbeite in einem Unternehmen, dass mehrere tausend Linux-PCs wie auch Server beherbergt. Ebenso kennt man weitere Partner und Unternehmen ähnlicher Natur. Weltweit und insbesondere ausserhalb von Deutschland, wird massiv Linux eingesetzt in unterschiedlichsten Bereichen, und das mit Erfolg. Letztlich ergibt das laut greifbaren Zahlen etwas über 100 Milionen Linux-Desktops weltweit. Und das sind nur Zahlen die bekannt sind seitens Behörden, Einrichtungen etc., während die Dunkelziffer noch höher liegen kann. Denn letztlich ist die Verbreitung nicht direkt messbar. Und nun fragen sie sich selbst: Entspricht das wirklich der Wahrheit, dass kaum jemand Linux nutzt? Alles eine Frage dessen, wo man anfängt zu suchen. In einer eingekapselten proprietären Welt, wird man das nur mit Mühe finden von sich aus. Selbst heute wissen viele Menschen noch nicht einmal was Linux ist. So oft im Alltag gegeben, aber mehr als Windows wird nicht gekannt. Mehr wird in Läden auch nicht angeboten vertraglich festgelegt. Und wer nicht selbst nachforscht, wird meist niemals kennenlernen was es noch alles gibt.

    Antworten
  6. Anne Beitragsautor

    Ihr Lieben,

    ich schreibe die kommenden Tage noch einen längeren Beitrag, um eure Kommentare und Fragen aufzugreifen. Will mich also nicht entziehen, sondern bin nur gerade beschäftigt. Sorry. 🙂

    Antworten
    1. HansgucknichtindieLuft

      Sie schreiben oben: „ich schreibe die kommenden Tage noch einen längeren Beitrag, um eure Kommentare und Fragen aufzugreifen.“

      Es wäre sicher sinnvoller, den Artikel von Karl-Heinz Schneider Punkt für Punkt zu widerlegen. Aber dazu bräuchte man Fachwissen, das Sie zugegebenermaßen nicht haben.

      Außerdem müßten Sie womöglich Stellung gegen Ihre Rädelsführer beziehen, was Sie sich als Opportunistin gar nicht trauen.

      Antworten
    2. Christian Hesse

      Gibt es denn schon einen zeitlichen Rahmen für „die kommenden Tage“?

      Ich bin natürlich sehr gespannt auf Ihren längeren Beitrag, in welchem Sie dieses Thema vertiefen und fundiert darlegen wollten, was ihnen bis jetzt – so mein Verständnis – aus zeitlichen Gründen nicht möglich war.

      Antworten
  7. Andre

    Hallo Anne,

    Menschen wie dich braucht die kommunale Politik. Ich finde es toll, dass du dich engagierst, dich der Öffentlichkeit stellst und dich aktiv einmischst.
    Ich entziehe mich seit Jahren diesem Engagement, mit immer neuen Ausreden. Dabei ist eben genau das wichtig. Mich kotzt kaum etwas mehr an als das Meckern auf Politiker. Das ist immer so schön einfach: „Ihr macht alles doof, seid korrupt und unfähig!“
    Es ist schwierig, bei den Politikern die Spreu vom Weizen zu trennen, die Profipolitiker, die zynisch und auf ihren Vorteil bedacht, ihre Karrieren durchziehen und Leute wie du, die sich für eine bessere Welt engagieren.

    Vielleicht ist es tatsächlich an der Zeit, dir Gesprächspartner zum Thema LiMux zu suchen, die dir fundiert Auskunft geben können. Dazu gehören Leute aus der Verwaltung (also Anwender, diesen Punkt hast du vermutlich abgehakt), aber auch ITler aus der Verwaltung und unabhängige Experten. Du hast die Chance, dich in das Thema hineinzuknien. Dann wirst du sehen, dass Linux keine Nerdkiste ist. Ich arbeite zB. für eine Firma, die Anwendungen für verschiedene Bundesministerien schreibt, die auf Linux laufen.

    Viele Grüße und viel, viel Freude mit deiner Tochter. ich habe auch eine 6jährige und es ist einfach wunderbar 🙂

    Antworten
    1. Sinus

      Auch hier hat das niemand behauptet, weder korrupt noch doof! Und zum Thema „Gesprächspartner zum Thema LiMux“ antworte ich mal mit Loriot besten Argument „Ach was“

      Antworten
  8. Nicole Britz

    Sie haben „Die SPD hat von IT und Organisation keinen Schimmer, aber ein Herz für US Konzerne“ sehr umständlich formuliert.
    Kann ich als sachkundige Bürgerin die Vereinbarungen mit Microsoft irgendwo einsehen? Insbesondere, was den Datenschutz angeht. Oder ist das geheim?

    Antworten
  9. Helmut

    Moin,

    ich wäre interessiert zu verstehen welche Fachanwendungen nicht unter Linux funktionieren sollen und warum. Ich kann das weder glauben noch verstehen (außer es ist eingekaufte Software mit entsprechenden Lizenzen).

    Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es 2000 verschiedene Anwendungen gibt – ich nutze täglich keine 10. Oder sind hiermit die verschiedenen Konfigurationen einer Anwendung gemeint (Reisepass, Personalausweis, Kinderpass, etc…)?

    Danke!

    Antworten
  10. Joachim Lehmann

    Zitat: Ja – zu unserer Entscheidung sind unterschiedliche Meinungen und Sichtweisen möglich. Wenn man jedoch Menschen auf einer persönlichen Ebene unfair attackieren muss, spricht das nicht unbedingt für die Qualität der eigenen Argumente.

    Die meisten Kommentare auf Heise waren nicht feindselig, persönlich, oder gar beleidigend. Die Kommentare, die eine sachliche Auseinandersetzung forderten und die bei weitem in der Mehrheit waren, wurden von Ihnen aber keines Wortes gewürdigt. Stattdessen haben Sie sich auf die persönlichen Attacken gestürzt, kein einziges mal etwas zum Thema geschrieben, und dann verkündet, auf „diesem Niveau“ nicht mehr weiterzudiskutieren. Ich bin einmal so frei, an dieser Stelle stellvertretend für diese Kommentare meinen eigenen zu posten:

    Anne Hübner schrieb am 06.03.2017 14:20:

    Ich bin ehrenamtliche Kommunalpolitikerin, nehme diesen Job allerdings durchaus ernst und versuche, die bestmöglichen Entscheidungen zu treffen.

    Ein guter Anfang, diese Aussage glaubhaft zu machen wäre, die in all den Jahren nie konkret genannten Probleme im Detail zu beschreiben, bzw darzulegen, wie diese mit den Linux Clients zusammenhängen. Das geschieht aber, zumindest nach deren Aussage, nicht einmal gegenüber den IT-Verantwortlichen der Stadt München.
    Der nächste Schritt wäre dann zu zeigen, inwiefern sich die Probleme mit einer Rückkehr zu Windows beheben lassen, was das kostet, und wie man mit den damit verbundenen massiven datenschutzrechtlichen Problemen umgehen will. Nichts davon war jemals irgendwo zu lesen.

    Antworten
  11. Harald Klein

    Guten Tag Frau Hübner,

    als langjähriger IT-Fachjournalist und Berater möchte ich gerne eine kurze Anmerkung zu der Sache machen. Bei der Stadtratsdebatte war für mich offensichtlich, dass konsequent zwei Dinge durcheinander geworfen wurden: Einmal die Frage, wie gut oder schlecht die sogenannten Fachanwendungen funktionieren (wie schon von anderen angemerkt, wäre es gut, hierüber mehr Details zu erfahren) und zum anderen die persönliche Nutzungserfahrung der Stadträte.

    Sicher ist es ärgerlich, wenn etwa E-Mail-Attachments nicht geöffnet werden können. Und ich kann als langjähriger Linux-Anwender (ich benutze allerdings auch Windows und macOS) bestätigen, dass solche Problem auftreten können. Allerdings sollten diese sehr leicht durch eine halbwegs kompetente IT-Fachabteilung lösen lassen. Beispielsweise können Mail-Programme wie Thunderbird zentral verwaltet und dabei so eingestellt werden, dass sie sie die richtigen Programme für den jeweiligen Anhang öffnen, beispielsweise PDF, OpenOffice/LibreOffice- und natürlich auch Microsoft-spezifische Formate.

    Die Tatsache, dass einzelne Stadträte Schwierigkeiten bei der Nutzung durch anscheinend schlecht konfigurierte Rechner gemacht haben, sollte keine Entscheidungsgrundlage für die Tauglichkeit des städtischen LiMux-Systems sein.

    Weiterhin kann in einem professionellen Umfeld nicht die Erwartung erfüllt werden, dass jeder auf seinem Rechner nach Belieben installieren darf was er will (wie es etwa in der Debatte Ihre Kollegin Frank/CSU suggeriert hat), schon nicht aus den üblichen Sicherheitserwägungen. Diese Frage ist unabhängig vom verwendeten System. Typischerweise werden auch in Windows-Umgebungen Vorkehrungen dafür getroffen, um einen solchen Wildwuchs zu verhindern und somit ein Mindestmaß an Sicherheit in einem Unternehmens- oder Behördennetz zu gewährleisten.

    Antworten
  12. #!/bin/bash

    Hallo Frau Huebner,

    ich hab mitbekommen dass sie sich im Heise-Forum registriert haben. Ich finde es sehr gut, dass sie sich ueber die Meinung der Linux-Anwender zum Thema LiMux informieren wollen. Leider gibt es auch dort unsachliche und unfaire Menschen. Daher habe ich mir gedacht, wenn Sie sich wirklich mit dem Thema Freie Software (FLOSS: Free/Libre Open Source Software), Freie Standards, und speziell mit Linux und seiner Community auseinandersetzen und auch speziell zu LiMux eine kompetente Meinung einholen wollen, sollten sie vielleicht mit einer oder mehreren der folgenden Personen reden. Das sind natuerlich nur ein paar wenige, die mir eingefallen sind, von denen ich glaube, dass sie ihnen fachlich gute Informationen geben koennen.

    * Da waere zunaechst Thorsten Leemhuis [1]. Er ist der Linux-Experte beim Heise-Verlag, hat echt Ahnung und ist sehr sachlich. Seine Linux-Kernel-Logs sind sehr geschaetzt.
    * Dann Konstanze Kurz [2]. Sie ist die Sprecherin des CCC und Kolumnistin fuer Netzpolitik.org und FAZ. Die ist super nett, sehr kompetent und kann Ihnen sicherlich auch gute Kontakte zu weiteren Leuten vermitteln. Sie war in der Vergangenheit immer wieder mit Politikern in Kontakt und ist auch selbst politisch aktiv.
    * Oder Martin Graesslin [3]. Er entwickelt am KDE-Desktop-Projekt mit – das Desktop-System, das auch LiMux verwendet. Womoeglich ist das KDE-Projekt an einem direktem, konstruktiven Austausch mit LiMux interessiert (reine Spekulation!).
    * Im Raum Muenchen ist Christoph Langner [4]. Er betreibt einen bedeutenden Linux-Blog und ist (glaube ich) Chefredakteur einer oder mehrerer Linux-Fachzeitschriften.

    [1] https://plus.google.com/+ThorstenLeemhuis
    [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Constanze_Kurz
    [3] https://blog.martin-graesslin.com/blog/
    [4] https://linuxundich.de/

    Ich kenne keinen dieser Personen persoenlich und kann Sie daher leider nicht vermitteln!

    Wenn sie sich selber, privat mit dem Thema Linux auseinandersetzen wollen, dann sollten sie mal bei https://ubuntuusers.de vorbeischauen. Die sind gerade Einsteigern gegenueber sehr hilfsbereit und freundlich. Ich weiss ja nicht ob Sie es schon mal probiert haben, aber installieren Sie sich doch mal selbst Ubuntu-Linux auf einem ausgemusterten Rechner oder probieren Sie zunaechst eine Live-CD aus. Bei Fragen wird man Ihnen im Form sicherlich gerne weiterhelfen. Das Thema LiMux ist wie ich gesehen habe auch dort fuer einige ein rotes Tuch. Melden Sie sich nicht mit Realnamen an, das macht fast keiner. Anonymitaet ist ein wichtiger Schutz.

    Wie gesagt, es ist sehr positiv, dass sie sich fuer Linux und die Ansichten der Community zu LiMux interessieren. Wir haben keine Marketingabteilung und Hochglanzbroschueren, sondern nur ueberzeugte Anwender zu bieten (Aufkleber gibt es).

    Freundliche Gruesse.

    p.s.: Ein guter Artikel zur Geschichte von LiMux:
    https://www.golem.de/news/limux-die-tragische-geschichte-eines-leuchtturm-projekts-1702-126230.html

    Antworten
  13. HansgucknichtindieLuft

    Hallo Frau Hübner,

    Sie schreiben: „Es ist ziemlich einfach, sich hinter einem Pseudonym im Internet zu verstecken und Menschen, die man nie persönlich getroffen hat, als korrupt, inkompetent und sonst irgendwie blöd zu bezeichnen.“

    Wenn man gleich mehrere Schildbürgerstreiche durchboxt oder aktiv dabei hilft, sie durchzuboxen, sollte das obige noch das mindeste sein, das man sich gefallen lassen muss.

    Das obige Zitat zeigt aber auch, dass Sie über so etwas wie Einsichtsfähigkeit gar nicht verfügen. Oder Sie wissen gar nicht, was ein Schildbürgerstreich ist, oder dass es sich hier um Schildbürgerstreiche handelt, sondern haben sich – vermutlich um der Karriere willen – enschieden, den Rädelsführern zu folgen.

    Dass dabei das ganze Knowhow, das in den letzten zehn Jahren angesammelt wurde, für die Stadt komplett den Bach runterschwimmt, wird vermutlich als unwichtiger Kollateralschaden aufgefaßt.

    Antworten
  14. Sven Grauert

    Sehr geehrte Frau Hübner,

    es ist Ihnen in jedem Fall anzurechnen, dass Sie sich anscheinend, anders als Ihre in dieser Hinsicht vermutlich fachlich-technisch auch nicht besser aufgestellten StadtratskollegInnen zumindest einem öffentlichen Dialog stellen, wenngleich dies äußerst spät beginnt.

    Es ist sicher bedauerlich, dass Ihnen scheinbar einige verbale Entgleisungen unterhalb der Gürtellinie zuteil wurden, was in männlich dominierten, postpubertären Sphärenbereichen der IT-Welt leider öfters vorkommen kann, jedoch nicht nur dort. Daher dürfen Sie sich auch nicht auf ein solches Niveau begeben sondern möglichst bei der sachlichen Diskussion und bei den Fakten bleiben. Animositäten bringen in der Regel wenig voran.

    Dass Ihnen zur Thematik das nötige Hintergrundwissen fehlt, das entnehme ich Ihren obigen Aussagen, und es ist zunächst auch kein Vergehen.

    Allerdings, und das wurde bereits mehr als einmal erwähnt, kann man von Ihnen und Ihren KollegInnen sicherlich erwarten, dass Sie sich in dieses Themengebiet ausreichend einarbeiten, um fachlich fundierte Entscheidungen zu treffen, in die sowohl halbwegs realistische wirtschaftliche, als auch andere, oftmals gern vernachlässigte, nichtsdestoweniger sehr wichtige Erwägungen einfließen, wie beispielsweise Systemsicherheit und Datenschutz – anders als es der viel zitierte Stadtratsbeschluss vom 2. Februar und die teils wenig belastbaren bisherigen Aussagen zur Sache nahelegen.

    Dazu wurden Ihnen hier etliche ernsthafte sowie eingehende Beiträge und Argumente geliefert, die, zusätzlich zur in den weiteren Kreisen IT-Welt vorherrschenden Ansichten, Ihren Vorstoß zur Abschaffung des LiMux-Clients, wenigstens aus technischer Sicht, nicht unterstützen sondern im Gegenteil offensichtlich eher eine Weiterführung des Projekts unterstützen.

    Wenn etwa 80% aller Rechner bereits erfolgreich auf LiMux portiert wurden, dann liegt es eigentlich auf der Hand, noch bestehende Probleme bei den verbleibenden 20% zu lösen – bei Windows-Altlasten der Fachanwendungen oder Teilmigrationen, soweit möglich, und nicht die erfolgreichen 80% zurückzurollen.

    Wie im Stadtratsantrag gefordert, sind diese Fachanwendungen so oder so noch zu portieren, und zwar betriebssystemunabhängig, in Form von webbasierten Anwendungen, damit diese z. B. auch auf mobilen Clients zum Einsatz kommen können.

    Diese Altlast bliebe auch unter einem – schon aus datenschutztechnischer Hinsicht problematischen Windows 10 – weiter bestehen; diese Kosten können Sie durch eine Abschaffung von LiMux offensichtlich nicht einsparen. Es dürfte sich ohnehin als äußerst schwierig, wenn nicht unmöglich erweisen, Altanwendungen unter einem bis dato virtualisierten Windows XP oder 2000 auf Windows 10 zu portieren.

    Fach-Webanwendungen könnten aber unter LiMux mit Firefox, Iron, Konqueror, oder auch einem beliebigen anderen HTML5-konformen Browser, bei adäquater Implementierung sauber, barrierefrei und unabhängig von Betriebssystemen umgesetzt werden, und dann auch auf WebKit oder Edge unter iOS und Windows laufen, wo nötig.

    Ein großes Missverständnis scheint auch bei der Verwechslung von Fachanwendungen und Standardsoftware vorzuliegen, und dabei, welches alternative, quelloffene Standardlösungen zu den im Stadtratsbeschluss angegebenen (Windows)-Anwendungen sind:

    MS-Office -> LibreOffice, Adobe Reader -> Evince, WinZip -> FileRoller od. Ark, E-Mail-Client -> Thunderbird oder Evolution, Edge -> Firefox, Iron, Konqueror…, Groupware Kollab, usw..

    Sie übersehen anscheinend, dass LiMux, bzw. GNU/Linux noch lange nicht ausgereizt ist:

    Die Einbindung zusätzlicher Desktops kann die Lebensdauer bestehender Rechner leicht verdoppeln; wenn etwa KDE zu schwergewichtig ist, kann wahlweises Booten in den XFCE- oder LXDE-Desktop einen gefühlten Neurechner ergeben, wenn gar noch alte Festplatten gegen SSDs ausgetauscht werden. Dies stellt ein nicht zu unterschätzendes Einsparungspotential bei der sonst erforderlichen, turnusmäßigen Neubeschaffung von Hardware dar, ganz zu schweigen von Umweltaspekten.

    Aus Erfahrung kann ich Ihnen außerdem sagen – es wurde bereits angesprochen:

    Im Firmenumfeld werden normale Anwender seltenst administrative Rechte bekommen, aus sicherheits- und datenschutztechnischen Gründen, um die unkontrollierte Installation möglicherweise kompromittierender Software zu unterbinden. Ausnahmen gibt es, doch meist scharf reglementiert über Zusatzvereinbarungen und nur bei ausschließlicher Nutzung in abgeschirmten Bereichen des Firmen-Intranets.

    Administratoren, die etwas anderes erlauben, machen vermutlich keinen sonderlich tollen Job, denn auch noch so teure Whitelisting-Appliances und IPS-Systeme können gegen maßgeschneiderte und brandneue Schadsoftware oft wenig ausrichten.
    Bestellen Sie das bitte Ihren werten StadtratskollegInnen und dem OB.

    Aus dem hier Gesagten folgt offenbar, dass der Stadtrat sowohl in fachlich-technischer Hinsicht, als auch in Bezug auf die langfristige Kosten-/Nutzen-Analyse eines LiMux-Ausstiegs noch einmal gründlich reflektieren sollte.

    Lieber sollte wohl jetzt ein glaubwürdiges Umdenken öffentlich vollzogen werden, als das andernfalls höchstwahrscheinlich folgende Desaster durch jahrelange Rückmigration und noch unkalkulierte langfristige Hardware- und Lizenz-Folgekosten, durch die Unwägbarkeiten bei Datenschutz und Sicherheit swie dem Verlust an Prestige und Linux-Know-how.

    Im Übrigen sind mir gewisse Eigenheiten in behördlichen Projekten durchaus vertraut.

    Dabei scheint es nicht selten vorzukommen, dass auf höherer Entscheidungsebene Fehleinschätzungen und auch falsche Entscheidungen getroffen werden – weil eben oft auch das notwendige Fachwissen fehlt. Das ist erst einmal menschlich und verzeihbar.

    Allerdings sind maßgeblich verantwortliche Beteiligte sehr oft äußerst „beratungsresistent“ und häufig nicht in der Lage, fachlich kompetente Leute mit Schlüsselaufgaben zu betrauen, bzw. eine vernünftige Planung oder auch nur vollständige und brauchbare Spezifikationen fristgerecht zu liefern.

    Oft scheinen sie auch nicht gewillt, Verantwortung zu übernehmen und frühzeitig notwendige, wenn auch unbequeme Kurskorrekturen vorzunehmen, an Hand eines laufenden Überprüfungs- und Verbesserungsprozesses – landläufig agiles Projektmanagement genannt.

    Stattdessen werden Probleme scheinbar gerne auf „politische“ Notwendigkeiten umgemünzt und ausgesessen.

    Das Ergebnis sind daher nicht selten mangelhafte oder fehlerhafte Planung und Umsetzung, explodierende Kosten, unhaltbare Termine, chaotische Abschlussphasen und somit gescheiterte, oder nur sehr bedingt einsatzfähige Projekte.

    Sie haben nun einiges an Input, denke ich; ob und was Sie damit anfangen, müssen Sie entscheiden – jedoch:

    Der Faktencheck hat nun stattgefunden – der Stadtrat, und somit auch Sie, könnte nun im Nachhinein schlechterdings behaupten, die Risiken und Ungereimtheiten beim LiMux-Ausstieg seien nicht absehbar gewesen, so er denn durchgesetzt würde.

    Viele Grüße
    Sven G.

    Antworten
  15. Steffen Möller

    Hallo,
    die Entscheidung pro Linux in München war für mich immer ein Lichtblick:
    * Talente in Deutschland binden und weiterentwickeln
    * Kontrolle über die eigenen Daten
    * Möglichkeit der inter-kommunalen Kooperation und Verbreitung dieser Vorteile
    Damit war es weit mehr als nur von lokaler Wichtigkeit. Nun kommt mit dem Wechsel des Oberbürgermeisters eine Abkehr von dem, was die IT-Welt überwiegend für richtig hält.

    So nett und engagiert Sie als Stadträtin auch sein mögen, ohne eigenes IT Know-How sind Sie gezwungen, irgendwelchen anderen Menschen etwas nachzusprechen. Dagegen ist grundsätzlich nichts zu sagen, Sie müssen nur stets alle Seiten hören und wenn schon nicht das Fachliche zu verstehen ist, dann vielleicht eine Meta-Ebene von Interessen und Einflussnahmen. Ggf. muss man sich unabhängige Hilfe holen. Da keine vernünftige Erklärung nach draußen dringt, wird der IT-interessierte Bürger nervös.

    Die Entscheidung in München ist zwar eine kommunale, aber doch von bundesdeutschem Interesse. Meines Erachtens sollte es eine Förderung des Bundes für eine maximale Integration von Open Source Technologien in der städtischen Verwaltung mitsamt einer öffentlichen Diskussion und Lösung von Problemen geben und dem Transfer zu anderen Gemeinden, auch zur Teilung der weiteren Entwicklungs-Last. Eine Reise nach München meinerseits ist lange schon geplant. Die ausgesprochene Einladung zu einem Kaffee würde ich sehr gerne annehmen.

    Antworten
  16. Axel

    Ich habe das gesamte LiMux-Projekt so erlebt:

    „Das ist anders, damit kann man nicht arbeiten!“ (Wer als VW-Fahrer mal in einen Opel steigt, muss also auch erst nochmal die Fahrschule besuchen?)
    „Das funktioniert nicht.“ (Was denn konkret? Scheigen im Walde!)
    „Da kann ich ja meine Lieblingsanwendung nicht nachinstallieren!“ (Richtig so, nur die Administratoren dürfen das, und auch nur mit zugelassener Software. Auch unter Windows ist das so.)
    Lässt sich beliebig fortsetzen.

    Antworten
  17. Joachim

    Hallo Frau Hübner,

    ich möchte nur auf zwei Beiträge hinweisen.
    Der eine ist ein Wikipedia-Artikel, den man im Hinterkopf immer parat haben sollte, nämlich: https://de.wikipedia.org/wiki/Halloween-Dokumente. Mit Verlaub: Ich glaube nicht, daß Microsoft die dahinter stehende Absicht aufgegeben hat; selbst wenn MS (scheinbar) seit geraumer Zeit einen anderen Ansatz verfolgt.
    Und dann aktuell vom 10.04.2017 bei heise: „EU-Experten warnen: Abhängigkeit von Microsoft gefährdet die digitale Souveränität“ (https://heise.de/-3679559)

    Grüße von einem fränkischen MS-Abweichler, der ausschließlich Linux nutzt.

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.