Archiv für den Monat: November 2015

Was mache ich eigentlich die ganze Woche?

Wie vereinbart man eigentlich Beruf und Politik? Im Gegensatz zu Landtags- und Bundestagsabgeordneten sind Stadt- und Gemeinderäte ehrenamtlich tätig. D.h., wir haben in der Regel neben unserem politischen Ehrenamt auch noch einen richtigen Job. Ich arbeite bei der Arbeiterwohlfahrt München im Referat Seniorenpflege und bin dort vor allem für Controlling zuständig. Aber wie verläuft meine Arbeitswoche? Was mache ich eigentlich von Montag bis Freitag? Vielleicht hilft bei der Aufklärung ein ganz zufälliger Einblick in meinen Kalender:

Montag (16.11.)

Der Montag morgen beginnt bei mir in der Regel immer erst kurz vor 9. Es ist schlimm genug, das Wochenende hinter sich zu lassen, deshalb startet die Woche bei einem gemütlichen Frühstück zu Hause. Erst danach geht es los. Meine Tochter geht in den Kindergarten und ich in die Arbeit. Zum Glück liegt die gleich um die Ecke. Montag Vormittag ist immer Jour-Fixe mit dem Geschäftsführer und den Kolleginnen und Kollegen. Danach ist schon fast Mittag. Es ist noch Zeit für zwei, drei kurze Abklärungen und weg bin ich.

Um 13 Uhr ist jede Woche im Rathaus der Jour-Fixe unserer Sozialausschussmitglieder. Danach ab 14 Uhr die wöchentliche Fraktionssitzung, die mal bis 17 Uhr, mal aber auch deutlich in den Abend hinein dauert. An diesem Montag ist dann auch noch der Jahresparteitag der Münchner SPD. Kurz vor 23 Uhr bin ich zu Hause. Zwischen Fraktion und Parteitag, man soll ja die netten Teile des Tages nicht unterschlagen, war ich mit einer Fraktionskollegin und einem Kollegen noch etwas essen.

Dienstag (17.11.)

Ausnahmsweise bin ich heute den ganzen Tag bei der AWO. Nur zwischendrin ein kurzes Treffen mit einem ehemaligen Kollegen aus dem Sozialreferat, um ein mir wichtiges Thema voranzubringen. Um 16 Uhr ist dann Elternabend im Kindergarten. Ein kurzer Tag. Sehr entspannt.

Mittwoch (18.11.)

Ich bin schon kurz nach 7 im Büro, um schnell noch Unterlagen für einen dienstlichen Termin um 9 in Pasing zusammenzustellen. Fahrt durch die ganze Stadt (mit der S-Bahn natürlich, ich habe kein Auto), Termin, Fahrt zurück. Büro. Fahrt ins Rathaus. Interfraktioneller Arbeitskreis Haushalt. Es geht ums Sparen. Der Termin ist eher zu Ende als erwartet, also noch ein paar Gespräche im Rathaus, dienstliche und politische Mails am Handy, Telefonate. Abends ist der Empfang des BRK München anlässlich des 140jährigen Bestehens im Alten Rathaus. Ich mach mich gleich nach den Reden aus dem Staub, da ich meiner Tochter versprochen habe, vor ihrem Einschlafen zu Hause zu sein und ihr noch etwas vorzulesen.

Abends arbeite ich noch an einer Seminararbeit für mein Fernstudium. Dann gehe ich viel zu spät ins Bett.

Donnerstag (19.11.)

Heute ist Vollversammlung. Um 8.30 beginnt die Fraktionssitzung davor. Ab 9 dann Haushaltsreden, endlose ziemlich lange Haushaltsreden, mehr Haushaltsreden. Alle Argumente sind längst ausgetauscht, aber die Debatte dauert an. So eine Vollversammlung ist für hinten sitzende, sozialdemokratische Neulinge eher frustrierend. Immerhin durfte ich schon einmal reden, andere warten noch auf ihren ersten Beitrag. Gleichzeitig halten die neuen Stadträtinnen der Grünen teilweise tolle Reden und wir schauen halb bewundernd, halb beneidend herüber: warum können und dürfen die das und wir nicht? Um 18 Uhr hat das Grauen ein Ende. Ich will gar nicht zu negativ erscheinen, aber einen ganzen Tag sitzen und von vornherein zu wissen, dass man keinesfalls etwas sagen wird, ist nicht unbedingt motivierend. Von der Besucherbank sieht man dann, wie wir immer öfter, je länger der Tag andauert, mit dem Handy spielen. Die Besucher da oben denken dann wahrscheinlich: typisch desinteressierte Politiker. Dabei würden wir ja gerne anders, wenn wir denn dürften!

Um 18 Uhr noch ein Fraktionsgespräch mit dem neuen Vorstand des Mieterbeirats. Um 19.30 bin ich zu Hause und einfach froh, meine Tochter umarmen zu können und ihre im Kindergarten gemalten Kunstwerke bewundern zu dürfen.

Freitag (20.11.)

Um 9 geht der Tag in der Fraktion los. Gespräch mit dem Personalrat des Sozialreferats. Danach noch ein politischer Termin beim Kaffee. Um 11 bin ich im Büro. Mittags ein Treffen mit einer meiner besten Freundinnen, deren Geburtstag ich letztens vergessen habe, da man sich manchmal bei all der Politik an die wesentlichsten Dinge im Leben nicht mehr erinnert. Zum Glück ist sie nicht nachtragend. Mittagspause dauert eine Stunde. Ein seltener Luxus. Danach wieder in die Arbeit. Heute Abend noch eine Podiumsdiskussion, morgen Abend eine Preisverleihung. Der Rest des Wochenendes ist frei.

Fazit?

Zu tun ist reichlich und irgendwie kommt in der Relation zwischen investierter Zeit und Ertrag selten genug raus. Aber vielleicht bin ich auch nicht geduldig genug. Insgesamt macht es trotzdem Spaß. Man darf ja bei aller Kritik nicht vergessen, dass es ein Privileg ist, die Geschicke Münchens ein kleines Stück mitgestalten zu dürfen.

Was inzwischen geschah…

Blog haben und dann nie was schreiben: ich. Tut mir leid. Besserung verspreche ich lieber nicht. Man soll ja nichts versprechen, was man dann nicht halten kann.

Wie jeder bereits der Zeitung entnehmen konnte: Die fetten Jahre sind vorbei. Das Geld ist alle. Ziemlich plötzlich, muss man sagen. Für Mitglieder des Sozialausschusses wie mich ist das so etwas wie der freie Fall vom Himmel in die Hölle. Ohne Geld ist Sozialpolitik ziemlich unmöglich kompliziert. Bisher ist noch gar nicht klar, wie es weitergehen kann und soll. Der Kämmerer spricht – über die Zeitung – von 400 Mio. dauerhaft zu konsolidierenden Euro. Eine Minute über diese Zahl nachgedacht und man ahnt: Die Summe ist einfach zu groß, um nicht auch die vielen freiwilligen Leistungen im sozialen Bereich in München zu treffen. Ich fände es bitter, wenn gerade die benachteiligten, auf Unterstützung angewiesenen Münchnerinnen und Münchner Einschnitte hinnehmen müssen. Und damit ist auch klar, worin unsere – die der SPD, meine ganz persönlich – Aufgabe der nächsten Jahre besteht: Wenn schon gespart werden muss, dann nicht bei denen, die am wenigsten haben. Nicht am umfassenden sozialen Netz dieser Stadt. Wachstum, und wir haben seit Jahren ein ganz enormes, kostet eben. Um ein Wachstum dieses Umfangs bewältigen zu können, werden neue Schulden unumgänglich sein. Austeritätspolitik, das sieht man andernorts zur Genüge, führt vielleicht zu einer weniger leeren Kasse, aber auch zu einer riesigen sozialen Kluft. Zu einem Abhängen der Menschen mit niedrigen Einkommen, die es im teuren München sowieso schon am schwersten haben. Sparen sollte man trotzdem, und zwar an den Projekten, die schön zu haben sind, aber die man nicht braucht, wenn kein Geld mehr da ist: schwarze Tunnel, Förderprogramme zur Anschaffung von Autos usw. Eventuell sehen Verkehrspolitiker das ja anders. Das werden noch interessante Diskussionen.

Was sonst so war? Ich habe mich sehr gefreut, dass der Sozialausschuss letzte Woche eine weitere personelle Stärkung der Alten- und Service-Zentren beschlossen hat. Ich habe sehr viel Energie in dieses Thema gesteckt und es fühlt sich gut an, wenn das nicht umsonst war.

Hier noch ein paar Fotos aus den letzten Monaten:

reinmarplatz

Bei der Eröffnung von Wohnen im Viertel der GEWOFAG am Reinmarplatz. Mit meiner Stadtratskollegin Verena Dietl, dem Vorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt, Jürgen Salzhuber, und dem Oberbürgermeister Dieter Reiter.

urlaub2015

Im Urlaub war ich auch. Lange. Hat gut getan. Aber ich spüre nichts mehr vom Erholungseffekt. Ein neuer Urlaub wäre nicht schlecht, aber leider sind die Urlaubstage alle weg.

heidetreff

Und noch eine Eröffnung. Die des Familienzentrums im Heidetreff in Freimann. Wieder mit Verena Dietl, Jutta Koller von den Grünen und Markus Schön vom Stadtjugendamt.

wiesn

Und Wiesn war natürlich auch…